4. Reisetag Afghanistan: Führung durch Camp Shaheen und Frauentag

Am vierten Reisetag in Afghanistan ging es mit einem Hubschrauber Mil Mi-8 in das rund 22 Kilometer entfernte Außencamp Shaheen (übersetzt Falke). Hier wurde zum Internationalen Frauentag eine Unterkunft für Frauen in einer Kaserne eröffnet. Das Gebäude wurde neu errichtet und dient den Soldatinnen als Unterkunftsheim. Neben afghanischen Militärführungskräften waren auch Brigadegeneral André Bodemann der Bundeswehr und US-Generalmajor Richard Kaiser der US Army eingeladen.

Nach dem offiziellen Festakt mit verschiedenen Reden und einer Auszeichnungsveranstaltung wurde das rote Band im Eingangsbereich des Gebäudes feierlich durchschnitten. Im Inneren gab es dann zunächst einen Rundgang durch die Räumlichkeiten. Hier sah man für afghanische Verhältnisse einen doch recht hohen Standard. Die Schlafzimmer sind mit Holzdoppelstockbetten und Schränken für persönliche Sachen ausgestattet. Auch die Sanitäranlagen entsprechen einem hohen Ausstattungsniveau. Der Zugangsbereich des Geländes verfügt zudem über ein PIN-Codeschloss. Aufgrund der Präsenz an hohen Führungskräften des Militärs gab es während der Veranstaltung erhöhte Sicherheitsmaßnahmen. Rund um den Veranstaltungsort waren diverse Spezialeinheiten der einzelnen Länder verteilt und sorgten schwer bewaffnet für die nötige Sicherheit.

Nach der Eröffnungsveranstaltung gab es zunächst einen Rundgang auf dem Gelände des 209. Corps der Afghanischen Nationalarmee. Hier leistet die Bundeswehr und die amerikanischen Streitkräfte seit Jahren aktive Aufbau- und Ausbildungsarbeit. Heute stehen sie hier den afghanischen Kräften beratend zur Seite. In der Pionierschule der afghanischen Armee werden derzeitig u. a. Kampfmittelbeseitiger in verschiedenen Kursen ausgebildet. Neben theoretischen Ausbildungsstunden gibt es auch jede Menge praktische Ausbildung im Gelände. Hierfür stehen große Freiflächen sowie modernes und technisches Equipment zur Verfügung.

In einer großen Halle werden Soldaten in handwerklichen Fähigkeiten ausgebildet. Hier ist es ähnlich wie in deutschen Handwerksbildungszentren. An diversen Stationen können Elektriker, Gas-Wasser-Installateure und Maurer arbeiten, unter der Aufsicht von Beratern. Auf einem Außengelände befand sich ein weiterer Trupp. Dieser legte mit schwerem Gerät einen Checkpoint an. An diesem sollen in Zukunft afghanische Soldaten trainieren können. Eine Einladung in das Büro des Kommandeurs der Pionierschule der afghanischen Armee gab es natürlich auch. Hier gab es bei Tee und kleinen Knabbereien eine Gesprächsrunde mit den Führungskräften des 209. Corps.

Im Camp Shaheen waren wir die ganze Zeit in einem gepanzerten Toyota Geländewagen unterwegs. Auf dem Rückweg von der Eröffnungsveranstaltung meldete sich der deutsche Soldat der Guardian Angels über Funk bei seinen Kräften. Dabei sagte er: „Bin auf dem Rückweg in den Safe-Heaven und liefere das Paket ab“. Das Paket in diesem Fall waren wir. In Deutschland hatte ich bisher noch keinen schwer bewaffneten Paketboten gesehen. Das Camp Shaheen ist ein gutes Beispiel, mit wie viel Engagement deutsche Soldaten und auch andere Länder ihre Zeit und ihr Wissen in Afghanistan investieren.

Die gesamte Pionierschule ist in einem sehr ordentlichen und modernen Zustand ähnlich deutscher Kasernen. Dies merkt man auch an den afghanischen Soldaten. Sie sind unheimlich stolz auf ihre Anlage und pflegen diese dementsprechend. Am Nachmittag ging es dann wieder mit einem Hubschrauber zurück in das Camp Marmal. Beim Überflug über Masar-e Sharif zeigte sich die Größe der Stadt. Bebauung soweit das Auge reicht. Meist sind die Häuser einfach und schlicht gehalten. Selten sieht man ein Gebäude mit mehr als einer Etage.

Kurz vor der Landung auf dem Camp Marmal sah man noch ein recht imposantes Anwesen in der Nähe des Flughafens. Neben mehreren Sport- und Grünanlagen im Außenbereich gab es ein großes Hauptgebäude. Dieses Anwesen wirkte aus der Luft wie ein 5-Sterne Wellnesshotel mitten in einer Welt der einfachen Dinge.

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