Einsatz für Christoph 60 – unterwegs mit der DRF Luftrettung

Über 100-mal im Monat wird der am Suhler SRH-Klinikum stationierte Rettungshubschrauber Christoph 60 der DRF Luftrettung alarmiert. Über 20.000 Einsätze flog Christoph 60 insgesamt seit Inbetriebnahme der Luftrettungsstation im Jahr 1993. Verkehrsunfälle, Arbeitsunfälle und Herzinfarkte gehören zum Einsatzspektrum der Crew. Christoph 60 wird auch als Notarztzubringer alarmiert, wenn er den Notarzt am schnellsten zum Einsatzort bringen kann. Hinzu kommen Patiententransporte in weit entfernte, auf das Verletzungsmuster spezialisierte Fachkliniken. Christoph 60 ist täglich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang einsatzbereit für Notfallorte in einem Umkreis von etwa 60 km, die er in maximal 15 min erreicht. Er deckt als schnelles Rettungsmittel die Landkreise Hildburghausen, Sonneberg, Schmalkalden-Meiningen, Ilmkreis, Wartburgkreis, Gotha, Saalfeld-Rudolstadt, Schweinfurt und Coburg ab. Marcus Heinz durfte für uns einen Tag lang die Crew begleiten und einen Blick hinter die Kulissen der Thüringer Luftretter werfen.

Es ist ein kalter, klarer Sonntagmorgen im Oktober. Während Suhl nur langsam zu erwachen scheint, herrscht gegen 7:00 Uhr an der Station der DRF Luftrettung am SRH-Klinikum schon reges Treiben. Rettungsassistent Ingo Müller überprüft am Hubschrauber, der noch im Hangar steht, das medizinische Equipment. Pilot Martin Hannig hat seinen Vorflugcheck bereits durchgeführt und holt sich am PC die aktuellen Wetterdaten, bevor er die Maschine auf einer Plattform aus dem Hangar fährt und Christoph 60 gegen 7:30 Uhr bei der Leitstelle Suhl einsatzbereit meldet. Der Kaffeetisch in der kleinen Küche ist bereits gedeckt. Diensthabender Notarzt ist heute Dr. Robert Kraensel. Lange muss die Crew heute nicht auf ihren ersten Einsatz warten.

Gestürzte Person

Gegen 8:30 Uhr alarmiert die Rettungsleitstelle den Hubschrauber mit dem Stichwort „gestürzte Person“ nach Gießübel im Landkreis Hildburghausen. Ein Rettungswagen aus Masserberg macht sich ebenfalls auf den Weg. Während Martin Hannig die Triebwerke der EC 135 hochfährt, bittet die Leitstelle die Crew, auf dem Weg zum Einsatzort nach einer gemeldeten Rauchentwicklung im Vessertal Ausschau zu halten. Martin Hannig dreht eine kleine Schleife über diesem Gebiet und kann Entwarnung für die anrückenden Feuerwehrkräfte geben – keine Feststellung von Feuer oder Rauch. Zügig geht es Richtung Gießübel. Hannig kreist einmal um die kleine Ortschaft, um einen geeigneten Landeplatz zu finden. Aus der Luft ist bereits der Rettungswagen zu sehen, der vor dem Wohnhaus der 69-jährigen Patientin steht. Hannig entscheidet sich für einen kleinen Parkplatz mitten im Ort. Im Landeanflug wird er von Notarzt und Rettungsassistent unterstützt, die laufend nach Bäumen, Freileitungen oder geparkten Fahrzeugen Ausschau halten.10 Minuten nach dem Start setzt Christoph 60 am Boden auf. Während Ingo Müller und Dr. Robert Kraensel ihren Notfallrucksack und EKG schnappen und die etwa 100 Meter zu Fuß zur Patientin laufen, finden sich schon am Landeplatz die ersten Besucher ein – wann landet schon mal ein rot-weißer Rettungshubschrauber vor der Haustür.

Nach gut 15 Minuten kommen Notarzt und Rettungsassisten ohne Patientin zurück. Das Verletzungsbild scheint doch nicht so dramatisch zu sein, wie es angenommen wurde und die Frau wird per Rettungswagen in die Klinik transportiert. Christoph 60 macht sich wieder auf den Rückweg nach Suhl. Nach der Landung füllt Martin Hannig Kerosin über die installierte Betankungsanlage nach. Dann heißt es für die Crew – obligatorische Büroarbeit. Flugzeit und Kerosinverbrauch und Patientendaten für die Abrechnung bei der Krankenkasse müssen in die Computer eingegeben werden. Eine kurze Verschnaufpause, ehe es um 12:50 Uhr zu einem Kurzflug nach Suhl Nord geht. Ein Rettungswagen hat den Notarzt zu einem 79-jährigen Patienten mit Herz-Kreislaufproblemen angefordert. Die Plattenbausiedlung ist in knapp 5 Minuten erreicht. Nach Versorgung des Patienten durch den Notarzt, wird dieser ins Klinikum gebracht.

Fahrradsturz

Eigentlich könnte die Crew jetzt ihren wohlverdienten Kaffee genießen, doch gegen 14:00 Uhr heißt es erneut: „Einsatz für Christoph 60“. Da alle Rettungsmittel der Stadt Suhl im Einsatz sind, wird Christoph 60 in den Suhler Süden in den Ortsteil Dietzhausen geschickt. Dort soll ein Radfahrer gestürzt sein und sich schwer verletzt haben. Auch diesen Einsatzort erreicht der Hubschrauber in wenigen Minuten. Aus der Luft ist bereits eine am Boden liegende Person auf dem Radweg direkt an der Hauptstrasse zu erkennen. Während Martin Hannig wieder eine Schleife dreht, halten Ingo Müller und Dr. Robert Kraensel Ausschau nach einer geeigneten Landemöglichkeit in Patientennähe. Die Wahl fällt auf eine kleine Seitenstrasse in einem Gewerbegebiet. Notarzt und Rettungsassistent machen sich wieder mit ihrem Equipment einige Meter zu Fuß auf den Weg zum Patienten. Auf dem Radweg liegt ein Mann mit blutenden Kopf- und Gesichtsverletzungen, aber er ist ansprechbar. Er klagt jedoch über Schmerzen im Kopf. Dr. Kraensel legt dem Patienten einen Zugang und verabreicht ihm Medikamente. Der Patient erlitt bei dem Sturz ein Schädel-Hirntrauma, sowie eine Mittelgesichtsfraktur. Wie Ersthelfer berichteten, sei der Mann vermutlich schon vor seinem eigentlichen Sturz kollabiert. Nach 10 Minuten trifft auch ein Rettungswagen aus Zella-Mehlis am Unfallort ein, er wird den Patienten unter Beisein von Dr. Kraensel ins Klinikum transportieren. Christoph 60 kehrt zurück zur Station.

Schlaganfall im Wartburgkreis

Der letzte Einsatz führt die Crew von Christoph 60 um 17:21 Uhr nach Geblar im Wartburgkreis, nahe der Grenze zu Hessen. Dort erlitt eine 85-jährige Patientin einen Schlaganfall. Nach 14 Minuten Flugzeit ist auch dieser Ort erreicht. Die Patientin wird bereits in einem Rettungswagen versorgt. Der Rettungswagen ist mit der Patientin auf eine geeignete Wiese gefahren, um sie zügig an die Hubschrauberbesatzung übergeben zu können. Dr. Kraensel und Ingo Müller bereiten die Patientin im Rettungswagen für den Flug vor. Nach wenigen Minuten kann sie auf die eigene Trage umgebettet und in den Hubschrauber geschoben werden. Die ältere Dame wird an das Sauerstoffsystem des Hubschraubers angeschlossen und über EKG weiter überwacht. Dr. Kraensel setzt der Patientin noch einen Gehörschutz auf, bevor sich Christoph 60 in den Abendhimmel hebt und Kurs auf Meiningen aufnimmt. Dort ist die Patientin bereits über die Leitstelle am Klinikum Dreißigacker angemeldet. Kurz vor 18:00 Uhr setzt Martin Hannig seine EC 135 auf dem Landeplatz vor der Notaufnahme auf. Dr. Kraensel und Ingo Müller fahren behutsam die Trage aus dem Hubschrauberheck und übergeben die Patientin einem Ärzteteam. Der Rückflug nach Suhl dauert nur wenige Minuten und die Maschine setzt im letzten Tageslicht auf der Plattform vor dem Hangar auf. Während sich Dr. Kraensel und Ingo Müller an das Desinfizieren und das Auffüllen von Medikamenten und Ampullen machen, tankt Martin Hannig seine Maschine wieder voll, bevor sie zurück in den Hangar gefahren wird. Um 18:30 Uhr wird Christoph 60 telefonisch bei der Leitstelle wieder abgemeldet, was aber nicht bedeutet, dass die Crew Feierabend hat. Auf die Besatzung wartet noch jede Menge Büroarbeit.

Die Station Suhl der DRF Luftrettung im Überblick

Betreiber: DRF Stiftung Luftrettung gemeinnützige AG (Stationsübernahme: 1. Januar 1994)

Einsatzbereitschaft: von Sonnenaufgang (frühestens 7 Uhr) bis Sonnenuntergang

Personal: Piloten der DRF Luftrettung, Notärzte aus Zentralklinikum Suhl, Klinikum Meiningen, Klinikum Sonneberg, Rettungsassistenten der DRF Luftrettung

Kontakt:

DRF Stiftung Luftrettung gemeinnützige AG

Station Suhl Klinikum Suhl

Albert-Schweitzer-Str. 2

98527 Suhl

Telefon: +49 711 7007 2780

Telefon: +49 3681 303910

Fax: +49 3681 303912

E-Mail: station.suhl@drf-luftrettung.de

Web: www.drf-luftrettung.de

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